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Udo Proksch war ein Frauenfreund und Männerbündler, Militaryfreak mit Adelstick, Charmeur, Schwerenöter und Teufelskerl. Ein Meistermanipulator, der davon ausging, dass jedermann korrumpierbar sei und in allen, die ihn umschwirrten potenzielle Opfer sah. Er wähnte sich über den Gesetzen, über jenen des Staates und über jenen des gesellschaftlichen Umgangs. Er spielte den Hofnarren, diente sich den Mächtigen an, ohne dass diese bemerkten, wie sie an seinen Puppenspielerfäden zappelten, während sie sich in seiner Gesellschaft amüsierten. Umschmeichelt. Verlacht. Verhasst. Inbegriff all dessen was faul war, damals in diesem Land. Nach seinem Tod hinterließ Udo Proksch ein umfangreiches Archiv, das sich heute in Besitz des Sammlers Peter Coeln, dem Leiter der Fotogalerie WestLicht befindet. In dem hinterlassenen Bestand, über 30 000 Exponate, sind all die vielfältigen Aktivitäten dieses Tausendsassas minutiös dokumentiert: Zahllose Dokumente, eine ausufernde Korrespondenz, Bettelbriefe und Bewunderungsschreiben, Mitgliederlisten, Unterstützungsunterschriften, Presseausschnitte, Fotografien, Filme, Zeichnungen von Entwürfen und Modelle – lauter verwirrende Puzzleteile, aus denen sich das Leben dieses kleinwüchsigen Energiebündels, das seine Umgebung meterhoch überragte, zusammensetzen lässt.
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